André Holst im Interview

"... aber mit ganz viel Liebe!"

 

Die Hamburger Journalistin Karolin Oerthel traf André Holst am 21. April 2019 zu einem sehr persönlichen Interview im MARITIM Seehotel in Timmendorfer Strand und plauderte nach dem Konzert über seine musikalische Arbeit.

Was haben Sie mit Frank Sinatra und anderen Tribute-Shows gemeinsam?

Absolut nichts! Ich singe nicht wie Sinatra, ich sehe nicht aus wie Sinatra, ich klinge auch nicht wie Sinatra, ich spreche nicht seine Texte oder Gags nach. Da gibt’s keine Gemeinsamkeiten – Ich singe lediglich die Songs, die er auch mal gesungen hat. Das machen am Ende aber alle.

 

Was machen Sie anders?

Ich begleite das Publikum durch 5 Jahrzehnte Musikgeschichte von Old Blue Eyes, ohne dabei das Original zu kopieren oder zu imitieren. Ich zeige meinem Publikum einfach nur, wie ich Sinatra empfinde und erlebt habe. Dazu schmeissen wir paar Bilder an die Wand und ich erzähle einige ganz persönliche Geschichten. Meine Kollegen und ich singen die Songs von Sinatra und seinen Weggefährten. Jeder mit seinen eigenen Emotionen und inspiriert vom heutigen Zeitgeist. Das macht es völlig anders und sehr lebendig.

 

Haben Sie Sinatra einmal live erlebt?

Oh, ja !!! Das werde ich niemals vergessen. Er war damals bereits 78 Jahre und ich aufgeregt, wie ein kleiner Junge am Heiligabend. Ich war vollkommen elektrisiert von der ganzen Atmosphäre, dem großen Orchester und seiner Stimme. Eine gigantische Stimmung. Einfach hochemotional. Das war am 3. Juni 1993 in der ausverkauften Deutschlandhalle in Berlin. Ich saß in der Mitte der dritten Reihe und zahlte damals ca. 350.- DM für meine Karte. Sinatra war jeden Pfennig wert. Übrigens, Harald Juhnke saß damals auch im Publikum, ein paar Reihen hinter mir …

 

Stößt die Swing-Musik überhaupt noch auf interessierte Zuschauer?

Auf jeden Fall. Es wachsen ständig neue Zuschauer nach. Dank Künstlern, wie u.a. Robbie Williams, Michael Bublé und dem unvergessenen Roger Cicero, wurde eine neue Generation an den Swing herangeführt. Oder denken Sie mal an Lady Gaga, wie erfolgreich sie mit Tony Bennett gearbeitet hat. Mittlerweile swingen immer wieder berühmte Pop- und Rocksänger und zeigen damit, dass sie auch in Sachen „Swing“ echt was auf dem Kasten haben. Da bin ich restlos begeistert und Fan. Der Swing ist und bleibt für mich die große musikalische Kür. Wer das kann, kann wirklich was.

 

Sie waren im Jahr 2000 sehr erfolgreich als einziger deutscher Entertainer mit dem legendären Syd Lawrence Orchestra in Großbritannien auf Tour und produzierten zwei gute Swing-Alben und eine wunderschöne Weihnachts-CD. Warum haben Sie nicht weitergemacht und eine Gesangskarriere angestrebt?

Das Orchester brachte ich sogar mit nach Deutschland auf die EXPO 2000 in Hannover. Es war damals eine tolle Zeit, mit hammergeilen Musikern und richtig schönen Konzerten. Aber ich will ehrlich sein. Mal abgesehen von den damaligen medialen Voraussetzungen, war ich mir selber nie genug. Ich habe als Sänger einfach nicht meinen eigenen Anforderungen entsprochen. Außerdem habe ich meinen Beruf als Moderator immer ein wenig mehr geliebt und wenn ich dann zwischendurch mal was singe, freuen sich die Zuschauer und sind angenehm überrascht. Das hat mir immer gereicht. Wenn ich heute Musik mache, dann einfach nur weil ich Bock darauf habe und es mir Spaß macht. Ohne Druck und ohne Verpflichtung – aber mit ganz viel Liebe.

 

Trotzdem, sie gelten als einer der besten Swing-Sänger Deutschlands. Ist die Zeit nicht reif für ein neues Album?

Ich habe keine Ahnung, wer das in die Welt gesetzt hat und finde es maßlos übertrieben. Da gibts heutzutage hier in Deutschland ganz andere Künstler, die das erheblich besser können. Auch ein neues Big-Band-Album strebe ich nicht an. Der Zug ist längst abgefahren. Das zahlt ihnen heute keine Plattenfirma mehr. Ich bevorzuge da eher noch das Liveerlebnis. Es treibt mich hin und wieder mal auf die Bühne, da drück ich dann auf die Tube - mit ganz viel Liebe - und alles freut sich.

 

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